Das Geburtstagstorten-Fiasko!

19 Mai, 2008 at 0:07 (Kurzgeschichten) (, , )

Mütter sind beim Planen und Gestalten eines Kindergeburtstages immer besonders gefordert. Schließlich soll es den Kleinen ja gefallen. Der dritte Geburtstag meines Ältesten ging als unvergessliches Erlebnis in die Familiengeschichte ein …
Zwei Tage vor dem Ereignis begann ich mit den Vorbereitungen. Ich dachte mir Spiele aus, für die Gewinner verpackte ich kleine Geschenke, Luftballons wurden für das Weitwurfspiel im Garten mit Wasser gefüllt und natürlich mussten Mehlspeisen gebacken werden. Mein Ehrgeiz wurde geweckt, als ich in einem Backbuch eine stockhohe Torte fand, die mit Schokoladefröschen verziert war. Als ich den ersten Teil der Backmasse ins Rohr schob, hatte ich den Hinweis des Stromlieferanten längst vergessen, dass zwischen 16.00 Uhr und 16.15 Uhr der Strom an diesem Tag abgeschaltet werden sollte. Natürlich war der Tortenboden schief, als ich ihn aus dem Backrohr holte. Aber ich ließ mich nicht entmutigen! Der zweite Teil der Backmasse ging perfekt auf und einige Zeit nach dem Auskühlen begann ich mit dem Füllen. Die leichte Schräglage des unteren Tortenbodens versuchte ich notdürftig mit der etwas zu weichen Creme auszugleichen, was nur teilweise gelang und sich deshalb der obere Teil der Stocktorte leicht zur Seite neigte. Aber mit viel Schieben und Drücken stand sie dann doch irgendwann halbwegs gerade auf dem Teller. Nun rührte ich den Zuckerguss an, wobei mir versehentlich ein kleiner Brocken Kakao in die weiße Masse fiel, was dem Guss eine schmutzig-graue Färbung verlieh. Da ich nicht genügend Staubzucker griffbereit hatte, war der Zuckerguss zu flüssig und der Schwerkraft folgend, lief er an der Torte herunter bis zum Tellerrand, um von dort weiter auf den Boden zu tropfen. Ich gebe zu, dass mich zu diesem Zeitpunkt eine leichte Nervosität befiel. Ich riss die Fenster auf und die kühle Nachtluft half mir, dass der Guss schneller trocknete. Auch die kritische Bemerkung meines Sohnes, dass er so eine „schiache“ Torte noch nie gesehen hat, konnte meinen Anflug von Kreativität nicht stoppen. Irgendwann klebten dann auch die Schokofrösche am Tortenrand und da Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt, war sie für meinen Geschmack gar nicht so übel geworden. Nur der Teller, auf dem sie stand, war eindeutig zu klein, und so stellte ich einen größeren darunter. Wie sich später herausstellen sollte, eine rutschige Angelegenheit.
Am nächsten Tag stürmten die kleinen Gäste die Wohnung, meine Freundin Hilde deckte die beiden Tische, während ich den Kakao für die Kinder kochte und den Kaffee für die Erwachsenen aufbrühte. Als ich fröhlich das Esszimmer betrat, herrschte betretenes Schweigen. Unsere Oma hielt sich fassungslos ihre Hand vor den Mund, meine Schwägerin kicherte irgendwo im Eck, während meine Freundin Hilde unter dem Tisch herumkroch. Ich stellte die Kaffeekanne ab, hob das Tischtuch an und fragte sie, was sie dort unten suche. Der verzweifelte Blick von Hilde sprach Bände und eine Antwort erübrigte sich. Beim Versuch, die Torte schwungvoll vom ersten Tisch auf den zweiten zu platzieren, hatte sich das Kunstwerk mitsamt dem ersten Teller vom zweiten Teller abgehoben und war genau in dem Schlitz zwischen den beiden nicht ganz zusammengestellten Tischen verschwunden. Als riesige undefinierbare Masse lag dieses mühevoll erstellte Gebilde auf dem Fußboden, die Frösche waren bis an die Wände geflogen und klebten auf der Tapete oder lagen hinter dem Kachelofen. Ich weiß nicht mehr, ob es der Schock war, ein Anflug von Verzweiflung oder ob ich die Situationskomik erkannte … jedenfalls bekam ich einen Lachkrampf, der mich einige Zeit außer Gefecht setzte. Die Kinder tanzten um den Tisch wie Indianer um den Marterpfahl und riefen: „Schaut mal, was die Hilde gemacht hat!“ Die Situation war für alle Anwesenden sehr erheiternd und obwohl ich meiner Freundin versicherte, dass dieses Missgeschick wesentlich dazu beitragen würde, diesen Tag in besonderer Erinnerung zu behalten, ärgerte sie sich so sehr darüber, dass sie für den Rest des Tages nicht einmal mehr ein Lächeln zustande brachte. Ein paar Tage später bekam ich überraschend ein Paket von der Post. Eine dekorative Holzkiste, darin eine Original-Sacher-Torte, veranlasst von meiner lieben Freundin Hilde, die sich den Tortenunfall nicht verzeihen konnte. Wir haben diese besondere Mehlspeise in einer kleinen Nachfeier gemeinsam verspeist und uns dabei über das Chaos furioso mit der Geburtstagstorte richtig gut amüsiert. Wenn Hilde und ich in Erinnerungen schwelgen, sorgen die Schlagwörter „Kindergeburtstag“ oder „Sacher-Torte“ noch immer für spontane Erheiterung.

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