Das Wandern ist des Müller´s Lust …..

19 Mai, 2008 at 0:53 (Kurzgeschichten) (, , )

Wandern ist für mich das Schönste …. im Einklang mit der Natur Höhen und Tiefen zu erklimmen … nach einer Woche Wanderurlaub frisch gestärkt und mit viel Sauerstoff im Blut mich voller Elan wieder ins Alltagsleben zu stürzen …. das ist es … das ist meins ….aber es klappt nicht jedes Jahr … da fehlt mir dann was … und so versuche ich ab und zu mit einem Tagesausflug mein sportliches Defizit zu verringern … das ist gar nicht so einfach mit meiner gut bespeckten Hüfte …
Meine Freundin und ich beschließen also, es an einem Sonntag Morgen mal wieder zu versuchen, schnüren unsere Wanderschuhe, bewaffnet mit Walking-Stecken und Rucksäcken heißt es: „Rauf auf den Schöckel, nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“ Wir beginnen den Aufstieg an der Lifttrasse …. ziemlich steile Angelegenheit … jedenfalls für uns Ungeübte … aber der sich sanft um den Berg schlängelnde Wanderpfad ist uns dann doch zu mickrig und nicht Herausforderung genug ….voller Zuversicht beginnen wir den Aufstieg und auch zu schnaufen …. alle paar Meter müssen wir anhalten …. ich weiß dass die erste Stunde beim Wandern immer die Schlimmste ist, bis sich der Körper darauf eingestellt und ganz besonders sich die Lunge von Nikotinresten halbwegs freigeatmet hat, aber dann geht’s etwas leichter …die Wanderspur unter der Lifttrasse ist schmal und schon ziemlich ausgetreten … ab und zu weichen wir aus, da wir oft überholt werden … sehnsüchtig schau ich den strammen Wadeln hinterher und denk mir: kein Wunder, der ist in Übung, das sieht man … manche kommen mit Hunden, hier haben teilweise sogar die Hunde Mühe, mit ihren Herrln Schritt zu halten …einige schauen uns böse an, weil wir ihren Wanderfluss stören, da wir die Spur blockieren und sie um uns herum gehen müssen …. andere sind sehr nett, als wir uns entschuldigen, eben weil wir alles blockieren …aber sie sagen, dass es egal sei, wie lange man braucht, Hauptsache man tut überhaupt was, während ich versuche, das offensichtlich in ihren Augen aufblitzende Mitleid zu ignorieren … aber es ist ungemein tröstend und ermutigt uns, bloß nicht schlapp zu machen ….wir kommen uns nicht mehr ganz so unbedarft vor ….eine kleine Rast auf einem großen Stein folgt …plötzlich schießt an uns jemand vorbei ….meine Freundin und ich schauen uns an um dann fassungslos diesem Verrückten hinterher zu blicken … hast du so was schon gesehen … während wir uns mühsam hoch kämpfen, rennt der die Trasse runter, als würde es nichts einfacheres geben … selbst das lose Geröll unter seinen Füßen nimmt kaum Notiz davon ….unfassbar … sensationell ….beeindruckend … und schon ist er unseren Blicken entschwunden ….komm, raffen wir uns auf …. ein Fuß vor den anderen beginnen wir weiter zu gehen ….irgendwer hat behauptet, er habe die Trasse in 40 Minuten geschafft …. niemals glaub ich das, niemals ….. wir sind schon ne Stunde unbterwegs und haben nicht mal ein Drittel ….was die Leute so alles zusammen lügen … unglaublich …..der Schweiß rinnt, das Schnaufen wird leiser, das heißt es hört sich wenigstens nicht mehr so an, als würden wir gleich tot umfallen ….die mitleidigen Blicke werden weniger …. wenigstens ein kleiner Erfolg …. doch wer ist das… den kenn ich doch …. den hab ich schon irgendwo mal gesehen …. dann wird’s hell in meinem Kopf …. sicher, das ist der Verrückte, der vor ner Viertelstunde an uns vorbeigerannt ist …. der rennt der Berg schon wieder rauf und überholt uns affenzahnmäßig …. meine Freundin und ich sehen uns an … dann fangen wir zu lachen an, dass wir uns niedersetzen müssen ….nach gut eineinhalb Stunden haben wir die Hälfte geschafft …. um unseren schmerzenden Füßen etwas Erholung zu gönnen, machen wir einen kleinen Umweg über den Wald, nicht so steil und sehr erholsam ….ein Blick hinauf zeigt uns, dass noch einiges vor uns liegt, ein tiefer Seufzer gepaart mit unbändigem Überlebenswillen entweicht meiner Brust …. auf geht’s …. wir werden wieder überholt, andere kommen vom Berg schon wieder zurück …. inzwischen begrüßen wir uns wie alte Bekannte, winkend, freundlich lächelnd …. obwohl wir uns eigentlich gar nicht kennen ….auch so kann man Leute kennen lernen, stelle ich fest…. natürlich sind alle automatisch per „Du“ … über 1000 m gibt’s kein „Sie“ mehr …. man fühlt sich wie in einer großen Familie, ich allerdings fühl mich darin konditionsmäßig wie die Urgroßmutter ….endlich nach dreieinhalb Stunden …. die ersehnte Almhütte im Blick ….der erste Kuhfladen gehört mir und rinnt ganz gemächlich über die Schnürsenkel in meinen Wanderschuh … muss wohl einen besonders ergiebigen erwischt haben ….das dämpft das euphorische Glücksgefühl des gelungenen Aufstiegs etwas …. Gras und Wasser gibt’s genug und halbwegs gesäubert lassen wir uns wie nasse Säcke auf die Holzbank vor der Hütte fallen ….obwohl wir eigentlich unseren Hüftspeck etwas abtrainieren wollten, können wir einem Topfenstrudel und einem Café nicht widerstehen …pfeif auf den Speck ….frisch gestärkt geht’s noch ein bisschen höher zum Startplatz der Drachenflieger … aber die haben wohl auch nicht so lange auf uns warten können ….dafür haben wir ne Bombenaussicht und auf dem Rücken im weichen Gras liegend lassen wir den Wandertag ausklingen …. zurück fahren wir mit der Gondel talwärts ….unsere Füße schreien bitte bitte nicht mehr laufen …..kurz vor der Talstation gibt’s noch nen Wolkenbruch und so hat dieser Tag ein würdiges Ende gefunden ….und uns ne prima Ausrede geliefert … wir mussten abbrechen, weil das Wetter schlechter wurde …. so ein Pech! Als wir dann nach Hause kommen, heißt es: ihr seht ja richtig gut erholt aus! Und so fühlen wir uns auch! (Und die, die was anderes behaupten könnten, die sind nicht da und mit denen sind wir auch wieder per „Sie“!)

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