Die Rindssuppe
26 Jahre alt und hochschwanger beschäftigte ich mich das erste mal mit „Kochen“, d.h. mit der Verfeinerung, also mit allem, was über das Dosenöffnen, Schnellanbraten und Brotabschneiden hinausging.
Mein erster Versuch war eine Rindssuppe! Suppenfleisch und Knochen, Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel und Lauch, dazu Maggi-Kraut und diverse Gewürze bildeten den Grundstock. Das Fleisch war nach 2 Stunden endlich weich, das Magere vom Fetten getrennt; das Gemüse wurde gewaschen und in sehr feine Stücke geschnitten. Die Zubereitung dauerte einen ganzen Nachmittag, ich lud unsere Wohngemeinschaft dazu ein; nach zehn Minuten war kein Tropfen mehr davon da, man lobte mich und ich war frustiert. Einen ganzen Nachmittag Arbeit für 10 Minuten Genuß, das konnte es nicht sein!
Mit der Zeit kam die Routine und ein neues Kochgeschirr. Im Druckkochtopf wurde das Fleisch schnell weich, das Gemüse wurde grober geschnitten, die Handgriffe dafür automatisierten sich und wieder stand eine Rindssuppe kurz vor ihrer Fertigstellung. Eines meiner Tageskinder zog mir schon am Rockzipfel, weil es endlich wissen wollte, wann denn die Suppe endlich fertig sei. Und mit den Worten „es ist gleich soweit“, öffnete ich den Druckkochtopf, holte ein Sieb und schüttete die Suppe hinein. Das plätschernde Geräusch irritierte mich und bevor ich handeln konnte, sah ich den letzten Tropfen der Suppe im Ausguss verschwinden. Ich hatte vergessen, einen Topf unterzustellen. Jetzt stand ich da, die Knochen mit dem ausgekochten Fleisch im Sieb, aber ohne Suppe. Schnell stellte ich Wasser auf, warf das ausgekochte Fleisch und die Knochen noch einmal hinein, aber die drei einzeln darauf schwimmenden Fettaugen zeigten mir deutlich die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens.
Manchmal sind auch Fertigsuppen äußerst willkommen!