urlaub am meer

19 Mai, 2008 at 0:35 (Kurzgeschichten) (, , )

als wir einen urlaub auf mallorca buchten, wusste ich noch nicht, dass er sich unwiederbringlich in mein gedächtnis eingraben sollte ….das abenteuer begann schon beim hinflug. reiseübelkeit beim autofahren war nichts neues, aber mit keiner faser meines herzens hatte ich daran gedacht, beim fliegen entsprechende vorsorge zu treffen. soviel ich mich auf den flug gefreut hatte, so wenig bekam ich davon mit. die ganze zeit war ich damit beschäftigt, meinen mageninhalt im zaum zu halten, der hilfsbereite steward brachte mir noch tabletten, aber die halfen nicht mehr. der pilot schwenkte das flugzeug mal nach rechts oder nach links, um seinen passagieren einen blick auf genf oder die alpen zu ermöglichen. das gab mir dann endgültig den rest und als der flieger auf der landebahn aufsetzte, vermied nur die geistesgegenwart meines freundes den einsatz des putzdienstes, indem er mir blitzschnell eine tüte vors gesicht hielt. froh, endlich im hotel zu sein, blieb ich ein paar stunden im bett, bis es mir wieder besser ging. damit war der erste urlaubstag auch schon zu ende und wenn man bedenkt, dass wir nur eine woche gebucht hatten, dann war das immerhin fast ein siebtel der urlaubszeit. aber am nächsten morgen entschädigte mich der blick von unserem balkon übers meer für alle erlittenen strapazen. wir sonnten uns in der kleinen badebucht oder gingen am strand spazieren, lauschten dem plätschern der wellen, schnorchelten an den felsen entlang und genossen die ungewohnte neue umgebung. am darauf folgenden tag beschlossen wir, uns eine vespa zu mieten und mit dieser die insel zu erkunden. mein mann in der badehose und flipflops und ich im gelben kurzen trägerkleidchen fuhren wir mit vollbetankter vespa ins landesinnere. die strasse stieg stetig an bis wir schliesslich irgendwann mitten im gebirge in einem kleinen dorf rast machten. wir kamen immer weiter ins gebirge und es wurde unangenehm kühl. die badetücher, die wir mitgenommen hatten, legten wir uns um die schultern. an eine strickjacke oder einen pullover hatte keiner von uns gedacht. dass es hier 2000 m hohe berge gibt, hätten wir sowieso keinem geglaubt. auch unsere vespa machte nach und nach schlapp. zuerst gab die vorderradbremse ihren geist auf. die gebirgsstrassen waren schmal, links von uns gings steil hinunter, rechts von uns waren hohe felswände. mulmig wurde es mir erst, als sich mein mann während der fahrt kurz zu mir umdrehte und rief: „wenn ich schreie, springst du ab!“ er rechnete also damit, dass die rücktrittbremse auch noch versagen würde. da wurde es mir dann allerdings ganz plötzlich wieder warm. angstschweiss auf der stirn rief ich ihm zu: „sollten wir das ding nicht besser schieben?“ was er mit einem „wird schon gut gehen“ beantwortete. ich klammerte mich an ihn, immer die strasse für eventuell notwendig werdende absprünge im auge behaltend. dass er plötzlich zu fluchen anfing, verstand ich gut. mitten in der pampa hatte er auf reserve schalten müssen, diese vespa hatte durst wie ein ausgewachsener elefant. nun hatten wir die wahl: 30 km nach vorne oder 10 km retour … in der hoffnung, dass die reserve noch 30 km reichen würde, beschlossen wir weiter zu fahren. nach ungefähr 5 km war endgültig schluss. der tank war leer. nun schoben wir bergauf, inzwischen war es fast mittag. nach einem weiteren kilometer hatten wir die höchste stelle der serpentine erreicht, wir stiegen wieder auf die vespa und rollten 16 km talwärts ins nächste dorf, immer hoffend, dass die rücktrittbremse uns nicht im stich lässt. als die strasse kurz in einen tunnel mündete, stellte sich heraus, dass das licht auch nicht funktionierte. um nicht mit dem vorderrad in einem schlagloch zu landen, stiegen wir ab und schoben die vespa durch den unbeleuchteten tunnel um dann wieder aufzusitzen und in richtung dorf weiterzurollen. es war gegen halb zwei als wir dort ankamen. unsere frage nach „benzina“ wurde mit einem fingerzeig bergauf und „dos kilometros“ beantwortet. zwei kilometer bergauf schieben in der mittagshitze …. die kleine tankstelle erschien uns wie eine oase in der wüste, das Benzin wie flüssiges Gold; nachdem wir unsere vespa betankt hatten, fuhren wir zu einem rastplatz, um uns über unser lunchpaket aus dem hotel herzumachen. wir hatten noch nicht richtig angefangen zu essen, als wir ein lautes summen hörten, wir konnten gerade noch alles verstauen und schnell verschwinden, bevor der anfliegende wespenschwarm über uns herfiel. bis zu diesem zeitpunkt hatten wir bereits 140 km geschafft. nun machten sich die maroden stossdämpfer bemerkbar und jede unebenheit der strasse übertrug sich gnadenlos bis in die eingeweide. ab und zu ein aufschrei, da hiess es dann stehenbleiben, sich strecken, etwas gehen …. jetzt wurde es langsam qualvoll. dass sich das plastiksackerl des hotels, das ich während der fahrt zwischen uns gelagert hatte, in der hitze aufzulösen begann, bemerkte ich erst, als mein mann einen schwarzen rücken und ich einen schwarzen bauch hatte. gelbes kleid mit schwarzem fleck. die schrift auf dem plastiksackerl hatte sich verflüssigt. völlig fertig, schmutzig und schon leicht genervt kamen wir in palma an. doch wie fragt man nach dem weg zum hafen, wenn man kein wort spanisch spricht? auf dem hemd des kneipenwirtes war ein steuerrad aufgenäht, wir zeigten drauf und er erklärte uns den weg: „ehhhh (seine hand zeigte gerade aus) …. polizia …..(seine hand zeigte nach links) …ehhhh (seine hand zeigte wieder gerade aus). hinter dieser erklärung kann sich jeder reiseführer verstecken. wir kamen direkt zum hafen. ein amerikanischer flugzeugträger lag dort vor anker und bot einen überwältigenden anblick. nach besichtigung der kathedrale fuhren wir weiter, immer noch 70 km bis zum hotel … als wir dort endlich, nach 270 km, ankamen, war ich urlaubsreif … meine innereien rebellierten, meine beine hatten sich im laufe des tages in o-beine verwandelt … alles tat mir weh ….trotzdem, dass uns die alte schüssel heil zurück gebracht hatte, grenzte fast an ein wunder. dass wir dann noch zwei tage einen mächtigen sturm hatten, der das baden unmöglich machte und beim rückflug nach frankfurt die fluglotsen streikten und wir mit mehr als tausend leuten einige stunden im flughafenrestaurant warten mussten, weil die jumbo jets verspätung hatten, war nur noch der würdige abschluss eines komplett verrückten urlaubs. noch heute (fast 40 jahre später) muss ich schmunzeln, wenn ich dran denke. wenigstens war es abenteuerlich! übrigens: wissen sie, wie man reisetabletten in einer spanischen apotheke kauft, ohne dass man spanisch spricht? man stelle sich mitten in die apotheke, breite die arme aus, brumme wie ein flugzeug und deute mit den fingern in richtung mund! glauben sie mir, das funktioniert!

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