Peinlich!

12 Oktober, 2008 at 13:46 (Kurzgeschichten) (, , )

Als die Strumpfhose den Markt eroberte, sagte Großvater: „Da waren ja die dreiviertellangen „Untergattis“ meiner Frau noch erotischer!“ Zumindest waren sie sicher wärmer und haltbarer. Nach spätestens zwei Tagen ist die Strumpfhose defekt, die Laufmaschen sind nicht zu übersehen, beim Anziehen reiß ich mir oft schon ein Loch in das gute Stück. Teilweise ergattere ich mir welche zum „Wegwerfpreis“, was soviel heißt, maximal nach einmal Tragen wandert das gute Stück in den Müll. Eine Überlegung hat sich mir da regelrecht aufgedrängt: würde ich auf Socken umsteigen, könnte ich es mir leisten, mit dem Rauchen anzufangen, ohne dass es meinen Geldbeutel extrem belasten würde.
Ich bin auch noch nicht drauf gekommen, nach welchen Kriterien sie größenmäßig hergestellt werden. Während die eine Firma mit Large wahrscheinlich die Länge der Trägerin meint, scheint bei einer anderen Marke die Breite mehr im Vordergrund zu stehen. Bemerkbar macht sich das dann, wenn sich große Falten ähnlich mittelgroßen Tsunamis um die Knöchel legen oder die Strumpfhose zwar den dicken Oberschenkel gut im Griff hat, dafür aber nicht mehr richtig bis zur Taille reicht. Das heißt, als Trägerin zerrst du dauernd die Strumpfhose Richtung Taille, da sie sich bei jedem Schritt wieder Richtung Knöchel „abseilt“. Irgendwann im Winter, im dicksten Einkaufsstress, eingehüllt in den dicken Wintermantel, wars dann soweit. Während ich meine Wurst ordere, schaue ich zufällig nach unten und sehe, dass meine Strumpfhose sich bis zum Knöchel „hinuntergewurschtelt“ hat … in der Hoffnung, dass es außer mir noch keinem aufgefallen ist, hab ich meine Bestellung abgebrochen, mich rückwärts langsam Richtung WC geschlichen, um mich endgültig davon zu befreien. Es war mir derart peinlich, dass ich seitdem ohne Strumpfhosen durch den Winter wandere, auch auf die Gefahr hin, dass ich zum Blasentee greifen muss.

12.102008
Gerti Münnich

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