Forellenragout
Forellenragout!
Der Forellenteich eines Freundes wird abgefischt und der Hausherr ist dazu eingeladen. Begeistert sagt er zu, schnappt sich unseren Ältesten, altes Brot wird eingepackt, Spagat und Angelhaken. Das Wetter ist neblig trüb, doch das stört die Laienfischer nicht. Brot an den Haken und schwupps … kurze Zeit später hängt bereits die erste Forelle am Haken. „Das ist ja wie im Schlaraffenland“, kommentiert fachmännisch der Junior, „die Fische springen von alleine in die Pfanne!“ Genauso sehe ich es auch. Im Fischteich brodelt es nur so, da der Wasserstand weiter sinkt, kommen immer mehr Forellen Richtung Oberfläche. Es wird eng da drin und anscheinend ungemütlich. Wie Lemminge, die bereitwillig ihrem Untergang entgegen springen, ist der Forelleneimer innerhalb einer Stunde voll. Mit der Erkenntnis, dass man auch beim Angeln so was wie ein Erfolgsgefühl haben kann, kehren sie mit 10 kg Forelle heim. Jetzt müssen die Fische ausgenommen werden und plötzlich stehe ich alleine in der Küche … Senior und Junior entziehen sich galant der weiteren Verarbeitung und so bin ich dazu verdonnert, die Fische auszunehmen und für die Kühltruhe vorzubereiten. Überall kleben Schuppen, es riecht extrem nach Fisch. Ohne viel drüber nachzudenken, erledige ich diesen sehr unangenehmen Teil des bevorstehenden köstlichen Menüs, das natürlich auch noch auf den Tisch gezaubert werden muss. So frischen Fisch kriegt man schließlich nicht alle Tage. Beim Abschuppen rutscht mir eine Forelle aus der Hand, klatscht auf die Herdplatte, von dort auf den Küchenboden, rutscht Richtung Kühlschrank, um dort hängen zu bleiben. In meinem Schreck stoße ich an die Schüssel, die neigt sich zur Seite, das brackige Fischwasser rinnt an der Küchenfront runter, mittendrin im Sud stehe ich. Jetzt ist auch schon alles egal, zornig hebe ich die Forelle auf, hole den Putzeimer, wische die Küche auf, säubere die Küchenfront, um eine halbe Stunde später dort weiter zu machen, wo ich aufgehört habe.
„Gibt’s bald Forelle“? tönt es aus dem Wohnzimmer? „Wenn das so weitergeht, wie es angefangen hat, dann könnt ihr Pizza essen gehen, weil dann werden die Fische aus dem Fenster fliegen!“ Plötzlich ist es ganz ruhig. Da beide ein feines Gefühl für kritische Momente haben, schleichen sie heran und schauen nach, was in der Küche so los ist. Die wütende Köchin ignorierend, fragen sie scheinheilig, ob sie was helfen können. Das „haut ab“ verstehen sie und lassen es sich auch nicht zweimal sagen. Irgendwas hör ich sie brummeln wie „bin schon hungrig“ und „hoffentlich dauerts nicht mehr so lange“, allerdings macht mich die Wut schneller und endlich bin ich fertig. Ausgeweidet liegen 10 kg glitschige Masse vor mir und werden in Gefrierbeutel abgefüllt. „Ich hätte meine gerne mit Speck gefüllt“ schallt es aus den Ruheräumen, „und ich will meine mit Knoblauch“ setzt der andere noch eins drauf. Das lieb ich am meisten, im dicksten Gewühl noch Menüvorschläge! Da dieser Fischfangtag was Besonderes für meinen Ältesten war, komme ich ausnahmsweise allen Sonderwünschen nach. Petersilienkartoffeln, Salat, alles fast fertig. Mein Ruf „Forelle á la Knoblauch“ und „Forelle a la Speck“ sind fertig“ schallt durch die Hallen! „Endlich“ kommt´s zurück, voller Heißhunger fallen sie bereits über die Petersilienkartoffeln und den Salat her, ich stelle die Pfanne mit den Forellen auf den Tisch … da passiert´s. Versehentlich stoße ich am langen Griff der Pfanne an, sie rutscht vom Tisch, überschlägt sich und vor dem Kühlschrank liegen vier Forellen und obendrauf die große Pfanne. Fassungslose Stille! Verärgert über meine Schussligkeit starrt der Hausherr auf die undefinierbaren fischähnlichen Brocken und zischt: „ Wieso servierst mir eigentlich das Essen nicht immer dort unten?“ Offensichtlich betrachtet er die Situation als persönlichen Anschlag auf ihn. Stoische Ruhe überkommt mich. „Der Boden ist frisch aufgewischt. Auch wenn sie bröckelig sind, esst ihr sie jetzt oder nicht?“ Das „na gib schon her“ klingt verzweifelt … aber der Hunger ist größer. Das Essen verläuft schweigend, wohl wissend, dass jedes weitere Wort überflüssig ist und auf die Goldwaage gelegt werden könnte. Seitdem heißt es, wenn’s Forelle gibt: „Normale oder Forellenragout?“
9.11.2008
Gerti Münnich
Vicky sagte,
10 November, 2008 um 15:46
*haha*
Genial! Die besten Geschichten schreibt das Leben, nicht war?
Vielen Dank Gerti, du hast mir diesen trüben Tag mit deiner Geschicht wieder aufgehellt!
Hatten vor kurzer Zeit auch (selbstgefischte) Forellen – musste mich an diesem Tag von meiner Tupperware-Schüssel verabschieden!
Ich wusste zwar, dass Tupperware hitzebeständig ist, aber bei 200°C gibt wohl die beste Qualität auf *gg* – also gabs Fisch in Plastik nicht im Schlafrock.
Schönen Tag noch und mach weiter so!!!
Liebe Grüße
Vicky