Das Gfrett mit dem Fett …!
Das Gfrett mit dem Fett …!
Mit 26 Jahren wog ich 50 kg, mit 33 waren es dann schon 65 kg und heute, mit 57 Jahren, hat mich ein Banker, der mich versichern sollte, als „untergroß“ und daher nicht versicherbar bezeichnet. Fein ausgedrückt, aber ich konnte es drehen wie ich wollte, es stimmte. Mein Umfang stand in keiner Relation zur Körpergröße. Noch schmerzlicher wurde mir das bewusst, als ich mich während einer Shopping-Tour mit meiner Freundin auf preislich reduzierte Badeanzüge stürzte. Da stand ich nun in der Umkleidekabine in einem Badeanzug, an dessen Beinausschnitten verspielt drapierte Rüschen angenäht waren, die meine voluminösen Oberschenkel noch besser zur Geltung brachten. Auch der Blick in den Spiegel zeigte mir deutlich, dass ich diesen Badeanzug nur kaufen konnte, wenn es mir gleichgültig war, wie ich darin aussah. Die letzten Zweifel beseitigte meine Freundin, die nach einem kurzen Blick auf das von mir gewählte Outfit kurz die Luft anhielt, die Augenbrauen hob, um dann mit einem heftigen Kopfschütteln meinen Kaufdrang rigoros abzuwürgen. Ich beschloss, auf einen Badeanzug zu verzichten, kaufte mir einen langen breiten Schal, den ich mir im Notfall um die Hüften wickeln konnte und der jederzeit mit einer Sicherheitsnadel nach Bedarf zu erweitern war. Auf die Idee, dass man ihn auch eventuell mal enger wickeln könnte, kam ich gar nicht. 5 kg nahm ich innerhalb von 2 Wochen ab, als man mir die Mandeln entfernte, ich hatte nach der Operation derartige Schmerzen, dass es mir unmöglich war, etwas zu essen. Aber das war nur ein kurzes Zwischenspiel, bald war alles wieder beim Alten. Als ich eine neue Körperwaage in Betrieb nahm und ich mich das erste Mal wog, zeigte das Display an: „Gewicht nicht mehr feststellbar“. Kurz davor, die Waage aus dem Fenster zu werfen, fiel mir ein, dass es sich um einen Einstellungsfehler handeln könnte. Beim zweiten Draufsteigen wog sie zwar richtig, aber verringerte nicht meine größer werdende Verzweiflung. Es musste unbedingt etwas geschehen! Da der Tag eh schon verkorkst war, gönnte ich mir noch einmal eine Tafel Schokolade und begann am nächsten Tag mit der ich weiß nicht wievielten Diät. Der Anfang war mühsam, aber irgendwie gewöhnte ich mich dran und nahm langsam stetig ab. Ich fühlte mich wie ein neuer Mensch, es ging mir gut, ich schnaufte nicht mehr. Innerhalb eines halben Jahres nahm ich 30 kg ab und es gefiel mir, was ich sah. Jetzt hätte ich nur ein bisschen besser auf mich aufpassen müssen, aber großer privater Stress ließ mich unachtsam werden und innerhalb von zwei Jahren war ich fast wieder dort, wo ich angefangen hatte. Ich bin ein Verzweiflungsfresser, ein Frustesser … es gibt nichts, was mir nicht schmeckt! Der Hausherr motzt, wenn ich zu Süßem greife! „Das ist sicher der Wechsel“ hat jetzt eine liebe Bekannte mal zu mir gesagt. Aber ich weiß es besser, Hormone sind sicher nicht dran schuld. Aber auch der Bauch des Hausherrn hat sich vergrößert und als er jetzt mal in seine Hose steigen wollte, konnte er sie nur schließen, indem er die Luft anhielt und ich mit zwei Händen versuchte, den Knopf Richtung Knopfloch zu ziehen, was sich als ausgesprochen schwierig erwies. Er hat seine eigene Theorie. Seinen Wohlstandsbauch ignorierend fragte er mich, ob es möglich sei, dass sich die Hose zusammenzieht, wenn sie auf dem Kleiderständer hängt. Meinen Lachanfall hat er mir sehr übel genommen. Aber ich gebe zu, das hat was! Ab jetzt sind die Klamotten schuld, wenn sie nicht mehr passen!
8.5.2009
Gerti Münnich