Das Glück dieser Erde …..

19 Mai, 2008 at 0:59 (Kurzgeschichten) (, , , )

liegt auf dem Rücken der Pferde, so heißt es wenigstens, allerdings nicht für mich. Allein die Vorstellung, auf diesen großen Rücken steigen zu müssen, treibt mir die Schweißperlen auf die Stirn. Natürlich gefallen mir Pferde, besonders wenn sie in weiter Entfernung majestätisch durch die Wildnis galoppieren oder hinter bruchsicheren Gattern stehen. Aber eine sichere Distanz von ungefähr einer Armlänge ist unbedingtes Muss. Ein wenig die Angst genommen hat mir ein kleines Fohlen, das mit seiner Mutter auf einer eingezäunten Wiese vor unserer Almhütte sein friedliches Dasein genoss. Mutig trat ich näher, immer die Stute im Auge behaltend, nicht wissend, wie sie reagieren würde, wenn ich mich ihrem Fohlen näherte. Doch kaum am Zaun angelangt, drehte mir das kleine Pferd sein Hinterteil zu und zeigte mir deutlich, was es von mir hielt …. so interpretierte ich jedenfalls sein Verhalten, bis mich der Besitzer der Pferde darüber aufklärte, dass das kleine Fohlen mir damit zeigte, dass es mit der Bürste gestriegelt werden wollte.

Ein markiges Erlebnis mit einem Pferd hatte ich, als ich von der Nachtschicht nach Hause ging, das Wetter war trüb und furchtbar neblig, sozusagen Jack-the-Ripper-London-Wetter. Es war so neblig, dass ich auf dem Parkplatz kaum mein Auto fand. Der Parkplatz grenzte an eine Pferdekoppel. Auf die Autosuche konzentriert hörte ich plötzlich neben mir ein leises unerwartetes „Brrrrr“. Bis ich realisiert hatte, dass das nur ein Pferd war, das mich im Nebel begrüßt hatte, hatten meine weichen Knie schon nachgegeben und ich saß zu Tode erschrocken, auf dem Boden. Zitternd, den Schreck noch in den Knochen, fuhr ich nach Hause. Was ich damals über das Pferd dachte, mag ich hier gar nicht wiedergeben. Das bestätigte nur meinen Entschluss, mich künftig von allem mit großen Augen und austretenden Gliedmaßen fernzuhalten.

Unvergesslich gestaltete sich allerdings ein Urlaub in Istrien. Zwei aus unserer Vierergruppe hatten beim Frühstück verkündet, dass sie den Tag als Cowboys verbringen wollten, was soviel hieß wie Reiten in freier Natur bis die Hornhaut auf dem Sitzfleisch wuchert. Natürlich wollte ich mir dieses Schauspiel nicht entgehen lassen, besonders deshalb, weil keiner von uns jemals vorher auf einem Pferd gesessen war. Wir suchten den Reiterhof auf, der außer dem Namen „Bonanza“ nichts mit der fernsehbekannten Ranch gemein hatte, mickrige schäbige verdreckte Stallungen, ein längst reparaturbedürftiges Gatter, eine niedergetrampelte graslose Wiese. Wir schlossen Wetten ab auf „Little Joe“ und „Hoss“, wer von den beiden zuerst im Dreck landen würde. Aus dem Reiten über die Weiten wurde nichts, die Pferdebesitzer erkannten sofort die Laien und erklärten kategorisch, entweder eine Stunde im Kreis auf der eingezäunten Wiese oder gar nicht. Die Pferde glichen ausrangierten ungepflegten Ackergäulen, struppiges schmutziges Fell, faule Zähne. Jeder echte Reiter hätte die Nase gerümpft, aber unsere Helden der Prärie waren nicht zu bremsen. Nachdem ich die Pferde und auch unsere Möchtegern-Cowboys angeschaut hatte, war ich mir nicht mehr sicher, wem die Hitze bereits mehr zugesetzt hatte. Das Aufsteigen auf die Pferde war schon erheiternd, ohne Hilfe ging hier gar nichts. Endlich im Sattel, die Zügel straff in der Hand, die Fersen leicht in die Flanken drückend, versuchten unsere Freunde, die Pferde zum Traben zu bewegen. Während der eine schneller als erwartet loslegte, stand der andere stocksteif da, ohne irgendwelche Anstalten machend, den Wünschen des Reiters nachzukommen. Verständlich, wer geht schon gern bei 35 Grad im Schatten immer im Kreis herum. Wahrscheinlich hatten die Pferde von den dämlichen Touristen die Nase schon gestrichen voll. Endlich, fast eine Runde war vollendet, stoppte der eine Gaul plötzlich, beugte sein Haupt und fraß genüsslich eine Distel. Das erregte den Unmut des Reiters, gerade mal eben so ein bisschen in Fahrt gekommen, stand dieses sture Vieh schon wieder still. Es war schwer, das Pferd zum Weitertraben zu bewegen, dann kurz vor dem Ende der zweiten Runde …. die gleiche Distel … das gleiche Drama …..dritte Runde ….. vierte Runde …. 45 Minuten lang …. ich glaube, man hätte ihm anstelle eines Reiters auch einen Kühlschrank aufladen können, sein Verhalten wäre das gleiche gewesen. Der andere Gaul zeigte sich widerspenstiger und war nur schwer in der Spur zu halten. Offensichtlich dauerte auch ihm die Stunde zu lange und er beschloss, „Little Joe“ in den Sand zu setzen, das Pferd ließ sich einfach umfallen, wälzte sich hin und her, die langen Läufe in die Luft gestreckt, während sich „Litte Joe“ mit einem heldenhaften Sprung zur Seite rettete. Nur knapp hatte ihn das sich im Staub wälzende Ungetüm mit seinem rechten Hinterlauf verfehlt. Das Reiten war unseren Cowboys gründlich vergangen, dafür haben sich zwei von uns köstlich über diese private Zirkusstunde amüsiert und zwar noch den ganzen Urlaub lang.

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Hundstage

19 Mai, 2008 at 0:55 (Kurzgeschichten) (, , )

Wir haben eine Hündin und sie hat uns. Sie heißt Frau Einstein, weil sie so intelligent ist. Ihrem sprühenden Blick konnte unser Jüngster damals nicht widerstehen; als man ihm dann auch noch erzählte, dass irgendjemand sie in die Mülltonne geworfen , eine gute Seele sie dort gefunden und in die Arche Noah zum Aufpäppeln gebracht hatte, sie später aber bei einer anderen Familie unerwünscht war und nun ein guter Platz für sie gesucht wurde; öffnete sich das Herz meines Sohnes, das er mir mit seinen Tränen gefüllt dann so gekonnt vor die Füße warf, dass ich nicht mehr Nein sagen konnte, als er mich anflehte, den Hund behalten zu dürfen. Frau Einstein sah damals ein wenig zerrupft aus und war so klein, dass sie aufrecht unter unserem niedrigen Wohnzimmertisch durchlaufen konnte. Meine beiden Sohne waren begeistert, der Hausherr ebenfalls, ich fand sie lieb und reizend und hatte eine Menge Arbeit mit ihr. Ich baute ihr einen Hundezwinger mit Auslauf, wir bekamen eine Hundehütte geschenkt und so hatte sie tagsüber einen feinen Platz, wenn die Kinder in die Schule gingen und ich zur Arbeit musste.. Sobald jemand von uns nach Hause kam, durfte sie im Haus bleiben. Was sie nicht leiden konnte, waren geschlossene Türen. Sie kratzte solange daran, bis irgendjemand die Türen wieder öffnete. Um den Flurschaden in Grenzen zu halten, blieben die Türen offen. Schuhen aller Art schenkte sie große Aufmerksamkeit in Form von totaler Vernichtung. Wir schafften die Schuhe aus ihrem Sichtfeld. Sie war ein gelehriges Tier und nur ein paar Mal hat sie sich ihrer Körperflüssigkeiten auf meinem Teppich entledigt, was mir zwar ein paar graue Haare bescherte, den Rest der Familie aber nicht besonders gestört hat. Frau Einstein wuchs heran und hatte Narrenfreiheit. Auf dem Sofa hatte sie ihren Stammplatz, dem Hausherrn wärmte sie nachts am Fußende des Bettes die Füße. Darüber gabs heftige Diskussionen, ein Hund im Bett zählte nicht zu meinen Vorstellungen von einem sauberen Schlafzimmer. Doch da biss ich auf Granit. Der Hund blieb im Bett des Hausherrn. Eines Nachts wachte ich auf, weil ein heftiges Nachtgewitter mich aus dem Schlaf riss. Als ich die Augen aufschlug, starrte ich in die ängstlichen Augen von Frau Einstein, ihren Atem in meinem Gesicht spürend. Sie hatte es sich vor lauter Angst zwischen uns bequem gemacht. Ich schrie auf, doch sie rührte sich nicht von der Stelle, ich hob sie aus dem Bett, den Kommentar des Hausherrn „ lass sie doch, sie tut doch nichts“ missachtend, schnappte mein Bettzeug und zog ins Gästezimmer um. Am nächsten Tag wagte ich noch einen Vorstoß mit dem Satz „entweder der Hund oder ich“ und nachdem keine eindeutige Entscheidung fiel, blieb ich vorerst im Gästezimmer. Als wir die neue Wohnzimmergarnitur bekamen, dauerte es eine Woche, bis sie kapiert hatte, dass das Sofaliegen ein Ende hatte. Aber nichts konnte den Hausherrn dazu bewegen, seinen Fußwärmer aus dem Schlafzimmer zu verbannen und Frau Einstein wechselte mit großer Selbstverständlichkeit vom Hundekorb ins Hausherrenbett und umgekehrt. Die Bettwäsche verlor schon die Farbe vom vielen Waschen. Vor kurzem allerdings gab es eine einschneidende Veränderung, seither schläft unsere Hündin im Vorzimmer. Frau Einstein hat trotz ihrer Intelligenz aber offensichtlich nicht mehr Herr ihrer Körperfunktionen in des Hausherrn Bett gespieben. Das war selbst ihm zuviel und seitdem verzichtet er auf seine Fellwärmflasche. Das Gästezimmer ist jetzt wieder frei.

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Das Wandern ist des Müller´s Lust …..

19 Mai, 2008 at 0:53 (Kurzgeschichten) (, , )

Wandern ist für mich das Schönste …. im Einklang mit der Natur Höhen und Tiefen zu erklimmen … nach einer Woche Wanderurlaub frisch gestärkt und mit viel Sauerstoff im Blut mich voller Elan wieder ins Alltagsleben zu stürzen …. das ist es … das ist meins ….aber es klappt nicht jedes Jahr … da fehlt mir dann was … und so versuche ich ab und zu mit einem Tagesausflug mein sportliches Defizit zu verringern … das ist gar nicht so einfach mit meiner gut bespeckten Hüfte …
Meine Freundin und ich beschließen also, es an einem Sonntag Morgen mal wieder zu versuchen, schnüren unsere Wanderschuhe, bewaffnet mit Walking-Stecken und Rucksäcken heißt es: „Rauf auf den Schöckel, nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“ Wir beginnen den Aufstieg an der Lifttrasse …. ziemlich steile Angelegenheit … jedenfalls für uns Ungeübte … aber der sich sanft um den Berg schlängelnde Wanderpfad ist uns dann doch zu mickrig und nicht Herausforderung genug ….voller Zuversicht beginnen wir den Aufstieg und auch zu schnaufen …. alle paar Meter müssen wir anhalten …. ich weiß dass die erste Stunde beim Wandern immer die Schlimmste ist, bis sich der Körper darauf eingestellt und ganz besonders sich die Lunge von Nikotinresten halbwegs freigeatmet hat, aber dann geht’s etwas leichter …die Wanderspur unter der Lifttrasse ist schmal und schon ziemlich ausgetreten … ab und zu weichen wir aus, da wir oft überholt werden … sehnsüchtig schau ich den strammen Wadeln hinterher und denk mir: kein Wunder, der ist in Übung, das sieht man … manche kommen mit Hunden, hier haben teilweise sogar die Hunde Mühe, mit ihren Herrln Schritt zu halten …einige schauen uns böse an, weil wir ihren Wanderfluss stören, da wir die Spur blockieren und sie um uns herum gehen müssen …. andere sind sehr nett, als wir uns entschuldigen, eben weil wir alles blockieren …aber sie sagen, dass es egal sei, wie lange man braucht, Hauptsache man tut überhaupt was, während ich versuche, das offensichtlich in ihren Augen aufblitzende Mitleid zu ignorieren … aber es ist ungemein tröstend und ermutigt uns, bloß nicht schlapp zu machen ….wir kommen uns nicht mehr ganz so unbedarft vor ….eine kleine Rast auf einem großen Stein folgt …plötzlich schießt an uns jemand vorbei ….meine Freundin und ich schauen uns an um dann fassungslos diesem Verrückten hinterher zu blicken … hast du so was schon gesehen … während wir uns mühsam hoch kämpfen, rennt der die Trasse runter, als würde es nichts einfacheres geben … selbst das lose Geröll unter seinen Füßen nimmt kaum Notiz davon ….unfassbar … sensationell ….beeindruckend … und schon ist er unseren Blicken entschwunden ….komm, raffen wir uns auf …. ein Fuß vor den anderen beginnen wir weiter zu gehen ….irgendwer hat behauptet, er habe die Trasse in 40 Minuten geschafft …. niemals glaub ich das, niemals ….. wir sind schon ne Stunde unbterwegs und haben nicht mal ein Drittel ….was die Leute so alles zusammen lügen … unglaublich …..der Schweiß rinnt, das Schnaufen wird leiser, das heißt es hört sich wenigstens nicht mehr so an, als würden wir gleich tot umfallen ….die mitleidigen Blicke werden weniger …. wenigstens ein kleiner Erfolg …. doch wer ist das… den kenn ich doch …. den hab ich schon irgendwo mal gesehen …. dann wird’s hell in meinem Kopf …. sicher, das ist der Verrückte, der vor ner Viertelstunde an uns vorbeigerannt ist …. der rennt der Berg schon wieder rauf und überholt uns affenzahnmäßig …. meine Freundin und ich sehen uns an … dann fangen wir zu lachen an, dass wir uns niedersetzen müssen ….nach gut eineinhalb Stunden haben wir die Hälfte geschafft …. um unseren schmerzenden Füßen etwas Erholung zu gönnen, machen wir einen kleinen Umweg über den Wald, nicht so steil und sehr erholsam ….ein Blick hinauf zeigt uns, dass noch einiges vor uns liegt, ein tiefer Seufzer gepaart mit unbändigem Überlebenswillen entweicht meiner Brust …. auf geht’s …. wir werden wieder überholt, andere kommen vom Berg schon wieder zurück …. inzwischen begrüßen wir uns wie alte Bekannte, winkend, freundlich lächelnd …. obwohl wir uns eigentlich gar nicht kennen ….auch so kann man Leute kennen lernen, stelle ich fest…. natürlich sind alle automatisch per „Du“ … über 1000 m gibt’s kein „Sie“ mehr …. man fühlt sich wie in einer großen Familie, ich allerdings fühl mich darin konditionsmäßig wie die Urgroßmutter ….endlich nach dreieinhalb Stunden …. die ersehnte Almhütte im Blick ….der erste Kuhfladen gehört mir und rinnt ganz gemächlich über die Schnürsenkel in meinen Wanderschuh … muss wohl einen besonders ergiebigen erwischt haben ….das dämpft das euphorische Glücksgefühl des gelungenen Aufstiegs etwas …. Gras und Wasser gibt’s genug und halbwegs gesäubert lassen wir uns wie nasse Säcke auf die Holzbank vor der Hütte fallen ….obwohl wir eigentlich unseren Hüftspeck etwas abtrainieren wollten, können wir einem Topfenstrudel und einem Café nicht widerstehen …pfeif auf den Speck ….frisch gestärkt geht’s noch ein bisschen höher zum Startplatz der Drachenflieger … aber die haben wohl auch nicht so lange auf uns warten können ….dafür haben wir ne Bombenaussicht und auf dem Rücken im weichen Gras liegend lassen wir den Wandertag ausklingen …. zurück fahren wir mit der Gondel talwärts ….unsere Füße schreien bitte bitte nicht mehr laufen …..kurz vor der Talstation gibt’s noch nen Wolkenbruch und so hat dieser Tag ein würdiges Ende gefunden ….und uns ne prima Ausrede geliefert … wir mussten abbrechen, weil das Wetter schlechter wurde …. so ein Pech! Als wir dann nach Hause kommen, heißt es: ihr seht ja richtig gut erholt aus! Und so fühlen wir uns auch! (Und die, die was anderes behaupten könnten, die sind nicht da und mit denen sind wir auch wieder per „Sie“!)

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Kabelsalat

19 Mai, 2008 at 0:52 (Kurzgeschichten) (, , , )

Bei uns im Haus gibt es zwei heilige Kühe: eine davon hat vier Räder und steht in der Garage, die zweite steht im Wohnzimmer und hat ne Menge Knöpfe. Des Hausherrn liebstes Kind: seine Stereo-Anlage.

Süchtig nach dem perfekten Klang versucht er, die Boxen ideal zu platzieren, und leidet, weil mein Verständnis für derartige technische Feinheiten beim Einschaltknopf endet. Je nach Platzbedarf werden die Boxen von mir verstellt oder als Ablagefläche benutzt, Kabel lockern sich, eine Box streikt nun gänzlich, beim Laut- und Leisedrehen kracht es im Receiver und als unser Jüngster mit Buntsstiften eine Box künstlerisch gestaltet, vergeht auch dem Hausherrn die Liebe zur Musik.

Endlich ist der Wohnbereich fertig und er wagt einen neuen Vorstoß, die Kinder sind erwachsen und vor unkontrollierbaren Überfällen auf seine guten Stücke muss er sich nicht mehr fürchten. „Hast Du ein Antiquariat überfallen?“ fragt ihn der Jüngste, als er sein Tonbandgerät aufstellt. „Entsorg den alten Ramsch und schaff dir neue Geräte an!“ empfiehlt ihm der Ältere. Doch trotz dieser feinfühligen Kommentare werden Ein- und Ausgänge gemessen. Ein Eingang des Receivers ist defekt, eine Box hat ne Macke, das Videogerät pfeift auf dem letzten Loch. Da gibt´s nur eines: Abbauen, Einpacken, Schleppen, Hinbringen, Reparieren lassen, Abholen, Schleppen, Auspacken, Aufbauen! Das dauernde Hin und Her stresst ihn, die Luft ist zum Schneiden dick, sein Frust entlädt sich in dem Satz: „Kann mir mal vielleicht irgendeiner die Taschenlampe halten?“.
Als alle Geräte wieder miteinander verbunden sind, versagt die zweite Box ihren Dienst. Dem Receiver ist offensichtlich die Fummelei mit den Kabeln auch zuviel geworden und der Satz „Mist, ich habe einen Ausgang geschlachtet“ leitet erneut die bereits bekannte Prozedur ein: Abbauen, Einpacken ………!

Der Plattenspieler hat ebenfalls ein biblisches Alter, die alten Scheiben werden aufgelegt. Sie sind etwas verstaubt und man hört leichte Kratzgeräusche aus den Boxen. Das stört sein musikalisches Empfinden beträchtlich. „Geh doch mal rauf auf den Dachboden und schau mal, ob du das Zubehör zum Platten putzen findest.“ Meine Antwort „Such selber, hab jetzt was Besseres zu tun, als den ganzen Dachboden umzugraben!“ trägt auch nicht dazu bei, die sowieso schon aufgeheizte Stimmung positiv zu beeinflussen. Die Nadel auf der Langspielplatte fängt zu hüpfen an, da die Bässe das Regal zum Vibrieren bringen. Da muss Abhilfe in Form von schalldämmenden Kegeln her, auf die die Boxen gestellt werden. Tina Turner mit „River Deep And Mountain High“, bis die Wände wackeln, Simon and Garfunkel mit „Bridge Over Troubled Water“ bis zum Abwinken. Im stillen sehne ich mich nach dieser viel besungenen Brücke, um runterspringen zu können. „Wo gehst du denn hin, ich dachte, das ist deine Lieblingsmusik?“ fragt er, als ich Richtung Garten gehe.
„Das schon, aber mein Gehör hat einen Urlaubsantrag eingereicht!“

Ein neuer DVD-Player ist unbedingtes Muss! Dolby Surround in einer Lautstärke, die einem Kino gerecht wird, auf 60 qm Wohnfläche, eine einzige Peinigung bei Autorennen oder Fußballspielen.

Ein paar Tage später bekommt er eine CD mit Steirischer Volksmusik geschenkt. Eigentlich ist das gar nicht unsere Musikrichtung und auch meine Frage, ob er sie vom Sender mit den meisten Hörertoten geerbt habe, hält ihn nicht davon ab, diese Zwangsbeglückung einzuleiten. Volle Pulle nachts um 23 Uhr. Mein Hinweis, er solle leiser schalten, weil oben die Jungen schlafen, wischt er mit einer Handbewegung zur Seite. Plötzlich steht unser Ältester im Raum: „Hej, Alter, bist eingeraucht oder was?“ Zwei weitere Boxen werden angeschafft. Wenn jetzt im Oberstock jemand schläft, wird mit den, fachmännisch ausgedrückt, hochtonlastigen Boxen Musik gehört, wenn keiner daheim ist, mit den bassdröhnenden Ungeheuern und wenn auch noch die Nachbarn verreist sind, kommen alle vier Boxen gleichzeitig zum Tragen. Der Hausherr ist begeistert. Soviel Musik wie jetzt hat die Stereo-Anlage überhaupt noch nie verkraften müssen. Sie wird zu heiß. Ein Ventilator wird angeschafft. Ein Plätzchen im Regal findet sich. Er bläst hinter den Geräten vorbei, die Luft kreist kühl um die im Wohnzimmer Sitzenden. Eindeutig zuviel Power nur zum Geräte kühlen. Meine Feststellung: „Praktisch, kann ich mir das Staubwischen sparen, wird alles gleich weggeblasen!“ treibt ihn wieder ins Fachgeschäft. Am nächsten Tag bringt er einen kleinen Ventilator mit. Der reicht allerdings nur für ein Gerät. Ein zweiter ist notwendig fürs Tonband. Den dritten bekommt der Fernseher. Wenn schon, denn schon. Leider haben diese Ventilatoren einen gewissen Geräuschpegel, der den Musikgenuss leicht beeinträchtigt. „Stell doch die Musik so laut, dass das Ventilatorengeräusch untergeht und damit das Gehör nicht überstrapaziert wird, können wir die Ohren ja mit Ohropax verstopfen“. Er antwortet mir darauf nicht, aber sein Blick spricht Bände.

Das Verkabeln ist kompliziert. Die Hinterfront des Regals gleicht einem surrealistischen Gemälde Picassos, schwarze, weiße, kupferfarbene Kabel schlängeln sich gut sichtbar hinter den Geräten vorbei, Kabelsalat en gros.

Da stellt sich heraus, dass der Fernseher, sofern er über die Stereo-Anlage läuft, nicht mehr per Fernbedienung laut und leise zu schalten ist. Das heißt, in den Werbepausen rettet nur ein schneller Sprung vom Sofa das Gehör vor Spätschäden. Außerdem ist es nicht mehr möglich, dass über Kopfhörer Musik gehört werden kann und gleichzeitig ein anderer Fern schaut. Das ist nicht im Sinne des Erfinders, daher werden im Essbereich die restlichen Geräte kombiniert, zwei weitere Boxen incl. schalldämmender Kegel werden besorgt, der alte CD-Player angeschlossen. Hier kann jetzt per Kopfhörer Musik genossen werden, während sich zwei Meter weiter die Fernsehsüchtigen wälzen.

Wir haben jetzt in einem einzigen Raum sozusagen die einfache Anlage, die zum Frühstück eingeschalten wird und mit der sogar ich noch zurecht komme, ohne dass Gefahr besteht, technische Teile zu zerstören. Und die Dolby-Luxus-Version, die für die musikalische Bereicherung an Wochenenden und Feiertagen gedacht ist, damit der Hausheer auch noch was davon hat, wenn er 10 m weiter im Garten entspannt schnarchend auf seinem Liegestuhl dahinrelaxt.

Leider ist der Radioempfang der Frühstücksanlage nicht immer störungsfrei. Seine Frage „Liegen nicht irgendwo auf dem Dachboden noch Zimmerantennen?“ treibt mir den Schweiß auf die Stirn. „Die hab ich ungarisch entsorgt!“ Das bringt das Fass zum Überlaufen und bissig zischt er zu mir rüber: „Drück doch den Ungarn regelmäßig monatlich hundert Euro in die Hand, dann kannst du dir das Einkaufen und auch das Wegschmeißen sparen!“

Die neue Zimmerantenne wird perfekt platziert und sorgt für einwandfreien Musikgenuss. Die Prämisse an mich: hier wird nicht geputzt, damit sie nicht verstellt wird. Hier putzt nur der Hausherr selbst. Auch gut! Aber ich bin zu klein, um sie problemlos erreichen zu können, ein selbst konstruierter Schalter in Hüfthöhe löst auch dieses Problem.

Am Abend stellen wir fest, dass unser Fernsehgerät simultan übersetzt, die linke Box spricht Deutsch, die rechte Englisch. Kein Problem für den Hausherrn, ein Knopfdruck genügt und alles ist wieder so wie es sein soll.

Allerdings beschäftigt mich noch eine Frage: Wie kann ich die Aufmerksamkeit des Hausherrn, die er in den letzten Wochen ausschließlich der Stereo-Anlage widmete, mal wieder auf mich lenken? Plötzlich fällt mir die Lösung ein. Ich werde mich in einen erotischen Fetzen wickeln und ins unterste noch leere Regalfach legen. Vielleicht krieg ich auch einen eigenen Ventilator.

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Der Knopf

19 Mai, 2008 at 0:48 (Kurzgeschichten) (, , , )

Der Satz „Du, hier am Hemd wird der Knopf bald abfallen“ leitet das morgendliche Frühstück ein. Superklasse. Ich hasse es, Knöpfe anzunähen. „Zeig mal her … ach der hält schon noch, mindestens heute … morgen nähe ich ihn dir an“.
Am Abend der erste Satz: „Du, der Knopf fällt bald ab, näh ihn an, bevor Du das Hemd in die Waschmaschine gibst, sonst frisst ihn die Waschmaschine…“. Das Thema Knopf fängt an mich zu nerven. Ich hole die Schere, schneide ihn ab, lege ihn auf den Küchentisch. „Wenn Du ihn dort liegen lässt, wird er bald verschwunden sein!“
Ich denke, das wird er nicht! Nach einer Woche liegt das Hemd noch immer in der Bügelwäsche, der Knopf noch immer auf dem Küchentisch, allerdings inzwischen verdeckt von Zeitungen, Einkaufszetteln, Schlüsseln. „Hast Du den Knopf schon angenäht?“ Ich hasse diese Frage, fühle mich unter Druck gesetzt. „Morgen nähe ich ihn an!“
„Der Knopf ist doch sicherlich schon verloren gegangen, wie ich Dich kenne!“
Nein, ist er nicht! Ich forsche unter den Zeitungen, Einkaufszetteln und Schlüsseln! Find ihn nicht! Mist, das Ding ist wirklich fort … aber nein, da ist er ja. Stolz halt ich ihn hoch. „Hier ist er, was Du immer hast! Morgen, versprochen, nähe ich ihn Dir an.“
Dieser dämliche kleine beige-braun-farbige Knopf, dieses unscheinbare Etwas schafft es wirklich, mir langsam meine gute Laune zu verderben. Inzwischen sind die Hemden gebügelt, bis auf das eine, wo der Knopf fehlt. Eigentlich hätte ich jetzt Zeit, dieses nichtssagende kleine Ding seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen, nämlich den Ärmel zusammenzuhalten. Keine Lust! Jetzt hat er schon seinen Stammplatz auf dem Küchentisch, kann er auch noch eine Zeit lang dort liegen bleiben.. Beim Säubern des Tisches schnicke ich ihn versehentlich vom Tisch, er fällt in die Wasserschüssel des Hundes. Der wiederum glaubt, es gäbe ein außertourliches Häppchen, hetzt zur Schüssel, genau wie ich. Seine Zähne und meine Finger treffen sich dort, aber ich bin schneller, der Knopf ist gerettet … und ich auch. Heute Abend werde ich ihn annähen, ganz sicher. Am nächsten Morgen verstecke ich den Knopf vor den Augen des Hemdbesitzers. Heute könnte ich den Satz „hast Du den Knopf schon angenäht“ einfach nicht ertragen. Endlich, nach einiger Selbstüberwindung, fische ich das Nähzeug aus dem untersten Schrankfach, fange an, den Faden in die Nadel zu fädeln, lege das Hemd zurecht, greife nach dem Knopf … da passiert es. Er rutscht mir aus den Fingern, rollt unterm Tisch durch und verschwindet hinter dem Küchenkasten. Bingo! Jetzt kann ich den Schrank ausräumen und vorziehen, um den Knopf wieder zu bekommen. Da überkommt mich mein angeborener Phlegmatismus. Soll ich mich von einem Knopf zum Affen machen lassen? Niemals! Dieses Ding hat mich lange genug gepeinigt! Zielstrebig greif ich in die kleine Schachtel mit allen bisher gesammelten Knöpfen, finde einen in der entsprechenden Größe, nur die Farbe passt nicht. Pfeif drauf, wen interessiert schon ein Ärmelknopf? Endlich, das Hemd ist wieder vollständig. „Ist das das Hemd, wo der Knopf angenäht werden musste?“ Ein langgedehntes „Ja, wieso?“ bremst ihn ab. „Irgendwie passt der nicht zu den anderen Knöpfen!“
„Sicher passt der, schließlich hab ich den Knopf angenäht, der vorher dran war!“
Er schaut mich etwas ungläubig an, aber schließlich akzeptiert er meine Antwort!
Glück gehabt! Gerade noch mal die Kurve gekriegt! Und das nächste Mal werde ich mich von einem kleinen Knopf nicht so nerven lassen, der nächste lose Knopf … und das Hemd verschwindet im Rot-Kreuz-Sack! Wo käme ich schließlich hin, wenn ich es zuließe, dass mich jetzt schon Knöpfe terrorisieren!

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Der Adam ist an allem schuld ….

19 Mai, 2008 at 0:42 (Kurzgeschichten) (, , )

Als mein Jüngster ungefähr acht Jahre alt war, hörte er den Nachrichtensprecher, wie er von einem tödlichen Unfall einer Sportlerin berichtete. Das beschäftigte ihn sehr und er fragte mich: „Mama, das mit dem Unfall, das war doch der Teufel, das kann der liebe Gott nicht gewesen sein, der macht so was nicht!“
Ich bemühte mich, ihm dies zu erklären, erzählte ihm von den Menschen mit dem Willen zur eigenen Entscheidung, dass eine einmal getroffene Entscheidung auch Konsequenzen haben kann, dass das alles anders wäre, wenn Adam im Paradies auf Gott gehört und den Apfel nicht gegessen bzw. dann nicht gelogen hätte, erzählte ihm von der Vertreibung aus dem Paradies (hier nutzte ich den Moment, ihm biblische Vorgänge näher zu erklären), dass wir deshalb heute im Schweiße unseres Angesichtes unser Brot verdienen müssten, außerdem uns der steinige Weg zum Himmel erspart geblieben wäre … ich erklärte fast, ohne Luft zu holen … lange Rede, andächtiges Zuhören … ich war so richtig in Fahrt.
Kurze Atempause … der Kleine schaut mich total entrüstet an und sagt: „Mama, der Scheiß Adam!“

Eine Stunde später kommt der Große aus der Schule nach Hause, berichtet von Schwierigkeiten und dass ich in die Schule kommen muss, weil er das Packpapier, das über die Zeichentische gespannt war, mit dem Feuerzeug angekokelt hatte.

Der Jüngste nutzt sein neu erworbenes biblisches Wissen, um seinen Bruder zu verteidigen: „Mama, daran ist nur der Adam schuld!“

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Schifoarn…..!

19 Mai, 2008 at 0:40 (Kurzgeschichten) (, , )

Winston Churchill ist mit dem Ausspruch „No Sports“ berühmt geworden und ich habe es in meinem Leben eigentlich auch immer so gehalten. Sport war für mich mehr Strafe als Genuss. Schon bei Wettkämpfen im Hauptschulalter war ich der große Verlierer. Meine damalige Freundin war die Schnellste der Klasse und bei sportlichen Veranstaltungen mein Laufpartner. Während der ersten paar Meter liefen wir noch auf gleicher Höhe, doch kurze Zeit später startete sie durch und war lange vor mir im Ziel. Beim Weitwurf habe ich es nie über die 5 m-Grenze geschafft und wenn ich wirklich einmal etwas weiter gesprungen bin als man normalerweise von mir gewohnt war, bin ich entweder wie ein Maikäfer auf dem Rücken gelandet und hab mir damit meine Glanzleistung vermasselt oder der Sprung wurde wegen falschen Absprunges nicht gewertet. Während andere ihre Sieger- und Ehrenurkunden bekamen, bekam ich ein langes Gesicht vor Enttäuschung.
Mit 18 Jahren begann ich Ski zu fahren. Nicht weil ich es wollte, sondern weil mein Freund begeistert diesem Sport frönte. Die Ausrüstung war mager: die Skier hatten eine Länge von 2,10 m, was bei einer Körpergröße von 1,62 m kamikazeverdächtig ist. Außerdem besaßen sie noch diesen Bindungsdraht, der den heutigen Sicherheitsbindungen nicht einmal mehr ähnelt. Die Skihose war viel zu dünn, um den eisigen Wind auf den Höhen abzuhalten, die Skistiefel noch zum Schnüren, ohne Knöchelschutz und viel zu groß, was sich durch zwei Paar dicke Socken leidlich ausglich. Kurz gesagt: eine einzige Peinigung! Meine Angst beim Gondel fahren oder das Frieren an kilometerlangen Schleppliften und das heftige Herzflattern, das mich überfiel, wenn ich die steilen Abfahrten sah, ließen Spaß an dieser Freizeitbeschäftigung gar nicht erst aufkommen. Aber mein Freund war unerbittlich … bei ihm hieß es wild entschlossen: mit der ersten Gondel rauf auf den Berg und mit der letzten runter! Er verheimlichte mir wohlweislich den Waldweg, der sich, wie für den Anfänger gemacht, um den Berg schlängelte, um mich möglichst schnell in die Geheimnisse des alpinen Skifahrens einzuweihen. Er ließ sich nicht beirren, dass ich es noch lernen würde, auch wenn ich zeitweise mit Tränen der Verzweiflung in den Augen auf dem Rücken oder mit dem Kopf voraus die Piste hinunterrutschte. Total verliebt wollte ich ihm beweisen, dass ich seiner würdig bin und obwohl er manchmal schon mit rollenden Augen meinen Kampf mit den Brettern beobachtete, biss ich ihm zuliebe die Zähne zusammen und litt still vor mich hin, in der heimlichen Hoffnung, mich doch noch zu außergewöhnlichen alpinen Leistungen steigern zu können. Zwei Jahre später quälte ich mich immer noch schipflugmäßig über die Pisten, während andere mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbeisausten. Irgendwann dachte ich dann, was die können, kann ich auch und mutig ergab ich mich meinem persönlichen Geschwindigkeitsrausch, kam jedoch mit den Skispitzen über Kreuz, machte eine halbe Drehung in der Luft und schlug ziemlich fest mit dem Gesicht auf der verharschten Piste auf. Es war ein gewaltiger Sturz und als ich dann wenig später heulend in der Toilette der Skihütte stand und meine Schürfwunden betrachtete, erkannte ich plötzlich, dass es vielleicht an meiner dürftigen Ausrüstung liegen könnte, dass mir das Skifahren keinen Spaß machte. Gegen den Willen meines Freundes, der meinte, die alten Schuhe hätten´s die paar Tage auch noch getan, stürzte ich ins nächste Sportgeschäft, kaufte mir kurz entschlossen die besten Skischuhe, die ich finden konnte, einen dick wattierten Skianzug (so eine Verschwendung, wer weiß, ob der bei meinem Appetit im nächsten Jahr noch passen würde) und ein Paar wendefreudige und meiner Körpergröße angemessene Skier. Plötzlich sah die Welt ganz anders aus. Die Skier drehten sich von ganz allein, lässig wedelte ich frohen Mutes die Pisten hinunter. Der Skianzug gab mir die nötige Wärme und zum ersten Mal empfand ich echte Freude an diesem Sport. Das ist bis jetzt so geblieben.
Wenn mir mein Sohn heute gegenüber steht und steif und fest behauptet, dass für ihn nur ein ganz bestimmtes Snowboard in Frage kommt, um optimal fahren zu können, versuche ich gar nicht erst, es ihm auszureden, wissend, was ungeeignetes Material anrichten kann. Und damit ihm die Freude am Sport nicht vergeht (ist ja so gesund, vorausgesetzt man bricht sich nichts) und er in der fußballfreien Zeit nicht zum Sesselhocker mutiert, zeige ich großes Verständnis für seinen außergewöhnlichen Wunsch. Meine Aufgabe ist dann nur noch, die Finanzierung für dieses Vorhaben auf die Beine zu stellen. Aber die löst sich meist ganz von selbst: Geburtstag oder Weihnachten werden derartige Anliegen auf den verwandtschaftlichen Aktienmarkt geworfen: Oma und Opa erwerben sich dann erhebliche Anteile, einen Teil finanziert der Snowboarder selbst, Tanten, Onkels, Taufpate und Erzeuger übernehmen den Rest. Der entscheidende Unterschied zum tatsächlichen Aktienmarkt zeigt sich deutlich: hier macht die Talfahrt Spaß.

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Bryan-Adams-Konzert

19 Mai, 2008 at 0:37 (Kurzgeschichten) (, , )

Der Wunsch meines Jüngsten zum 12. Geburtstag war eine Eintrittskarte zum Bryan-Adams-Konzert. Bei einem Playback-Künstler-Wettbewerb für Kinder hatte er gestylt und mit elektrischer Gitarre bewaffnet sein Idol nachgeahmt und den 1. Preis gewonnen. Nun wollte er als treuer Fan ein Konzert mit ihm live erleben. Die Eintrittspreise waren geschmalzen und wegen seines Alters brauchte er eine Begleitperson, Gehört hatte ich zwar schon von Bryan Adams, aber ich wusste weder wie er aussah, noch wie alt er war oder sonstige wesentliche Dinge über ihn. Wir hatten Logenplätze mit einer Super-Aussicht. Da ich als junges Mädchen auch öfter Pop-Konzerte besucht hatte, erklärte ich meinem Sohn, dass vor dem Hauptauftritt immer eine unbekannte Band spielt, die die Fans sozusagen ein bisschen „aufheizt“ und für den Hauptauftritt in Stimmung bringt. Vor uns waren in der ersten Reihe noch Plätze frei geblieben, was ihm nach einem Platzwechsel einen weiteren Vorteil bezüglich Sicht verschaffte. Da saß ich nun verlassen und mich komplett fehl am Platz fühlend zwischen lauter jungen fremden Leuten. Dann gings los, die elektrischen Gitarren malträtierten mein Trommelfell, aber trotz alldem, die Musik gefiel mir. Irgendwie dachte ich, wäre interessant den Namen der Gruppe zu erfahren und wandte mich an meine junge Nachbarin: „Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wie die Musikgruppe heißt?“ Sie schaute mich etwas verständnislos an um mir dann ein sarkastisches „Bryan Adams natürlich“ entgegenzuschmettern. Vor Scham wurde ich ganz klein in meinem Sessel, schaute während des Konzertes nicht mehr nach rechts und links, wohl wissend, was das Fräulein neben mir über mich dachte. Nach dem Konzert habe ich das meinem Sohn erzählt und er meinte lakonisch: „Zum Glück bin ich nicht neben Dir gesessen!“ Das finde ich auch!

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urlaub am meer

19 Mai, 2008 at 0:35 (Kurzgeschichten) (, , )

als wir einen urlaub auf mallorca buchten, wusste ich noch nicht, dass er sich unwiederbringlich in mein gedächtnis eingraben sollte ….das abenteuer begann schon beim hinflug. reiseübelkeit beim autofahren war nichts neues, aber mit keiner faser meines herzens hatte ich daran gedacht, beim fliegen entsprechende vorsorge zu treffen. soviel ich mich auf den flug gefreut hatte, so wenig bekam ich davon mit. die ganze zeit war ich damit beschäftigt, meinen mageninhalt im zaum zu halten, der hilfsbereite steward brachte mir noch tabletten, aber die halfen nicht mehr. der pilot schwenkte das flugzeug mal nach rechts oder nach links, um seinen passagieren einen blick auf genf oder die alpen zu ermöglichen. das gab mir dann endgültig den rest und als der flieger auf der landebahn aufsetzte, vermied nur die geistesgegenwart meines freundes den einsatz des putzdienstes, indem er mir blitzschnell eine tüte vors gesicht hielt. froh, endlich im hotel zu sein, blieb ich ein paar stunden im bett, bis es mir wieder besser ging. damit war der erste urlaubstag auch schon zu ende und wenn man bedenkt, dass wir nur eine woche gebucht hatten, dann war das immerhin fast ein siebtel der urlaubszeit. aber am nächsten morgen entschädigte mich der blick von unserem balkon übers meer für alle erlittenen strapazen. wir sonnten uns in der kleinen badebucht oder gingen am strand spazieren, lauschten dem plätschern der wellen, schnorchelten an den felsen entlang und genossen die ungewohnte neue umgebung. am darauf folgenden tag beschlossen wir, uns eine vespa zu mieten und mit dieser die insel zu erkunden. mein mann in der badehose und flipflops und ich im gelben kurzen trägerkleidchen fuhren wir mit vollbetankter vespa ins landesinnere. die strasse stieg stetig an bis wir schliesslich irgendwann mitten im gebirge in einem kleinen dorf rast machten. wir kamen immer weiter ins gebirge und es wurde unangenehm kühl. die badetücher, die wir mitgenommen hatten, legten wir uns um die schultern. an eine strickjacke oder einen pullover hatte keiner von uns gedacht. dass es hier 2000 m hohe berge gibt, hätten wir sowieso keinem geglaubt. auch unsere vespa machte nach und nach schlapp. zuerst gab die vorderradbremse ihren geist auf. die gebirgsstrassen waren schmal, links von uns gings steil hinunter, rechts von uns waren hohe felswände. mulmig wurde es mir erst, als sich mein mann während der fahrt kurz zu mir umdrehte und rief: „wenn ich schreie, springst du ab!“ er rechnete also damit, dass die rücktrittbremse auch noch versagen würde. da wurde es mir dann allerdings ganz plötzlich wieder warm. angstschweiss auf der stirn rief ich ihm zu: „sollten wir das ding nicht besser schieben?“ was er mit einem „wird schon gut gehen“ beantwortete. ich klammerte mich an ihn, immer die strasse für eventuell notwendig werdende absprünge im auge behaltend. dass er plötzlich zu fluchen anfing, verstand ich gut. mitten in der pampa hatte er auf reserve schalten müssen, diese vespa hatte durst wie ein ausgewachsener elefant. nun hatten wir die wahl: 30 km nach vorne oder 10 km retour … in der hoffnung, dass die reserve noch 30 km reichen würde, beschlossen wir weiter zu fahren. nach ungefähr 5 km war endgültig schluss. der tank war leer. nun schoben wir bergauf, inzwischen war es fast mittag. nach einem weiteren kilometer hatten wir die höchste stelle der serpentine erreicht, wir stiegen wieder auf die vespa und rollten 16 km talwärts ins nächste dorf, immer hoffend, dass die rücktrittbremse uns nicht im stich lässt. als die strasse kurz in einen tunnel mündete, stellte sich heraus, dass das licht auch nicht funktionierte. um nicht mit dem vorderrad in einem schlagloch zu landen, stiegen wir ab und schoben die vespa durch den unbeleuchteten tunnel um dann wieder aufzusitzen und in richtung dorf weiterzurollen. es war gegen halb zwei als wir dort ankamen. unsere frage nach „benzina“ wurde mit einem fingerzeig bergauf und „dos kilometros“ beantwortet. zwei kilometer bergauf schieben in der mittagshitze …. die kleine tankstelle erschien uns wie eine oase in der wüste, das Benzin wie flüssiges Gold; nachdem wir unsere vespa betankt hatten, fuhren wir zu einem rastplatz, um uns über unser lunchpaket aus dem hotel herzumachen. wir hatten noch nicht richtig angefangen zu essen, als wir ein lautes summen hörten, wir konnten gerade noch alles verstauen und schnell verschwinden, bevor der anfliegende wespenschwarm über uns herfiel. bis zu diesem zeitpunkt hatten wir bereits 140 km geschafft. nun machten sich die maroden stossdämpfer bemerkbar und jede unebenheit der strasse übertrug sich gnadenlos bis in die eingeweide. ab und zu ein aufschrei, da hiess es dann stehenbleiben, sich strecken, etwas gehen …. jetzt wurde es langsam qualvoll. dass sich das plastiksackerl des hotels, das ich während der fahrt zwischen uns gelagert hatte, in der hitze aufzulösen begann, bemerkte ich erst, als mein mann einen schwarzen rücken und ich einen schwarzen bauch hatte. gelbes kleid mit schwarzem fleck. die schrift auf dem plastiksackerl hatte sich verflüssigt. völlig fertig, schmutzig und schon leicht genervt kamen wir in palma an. doch wie fragt man nach dem weg zum hafen, wenn man kein wort spanisch spricht? auf dem hemd des kneipenwirtes war ein steuerrad aufgenäht, wir zeigten drauf und er erklärte uns den weg: „ehhhh (seine hand zeigte gerade aus) …. polizia …..(seine hand zeigte nach links) …ehhhh (seine hand zeigte wieder gerade aus). hinter dieser erklärung kann sich jeder reiseführer verstecken. wir kamen direkt zum hafen. ein amerikanischer flugzeugträger lag dort vor anker und bot einen überwältigenden anblick. nach besichtigung der kathedrale fuhren wir weiter, immer noch 70 km bis zum hotel … als wir dort endlich, nach 270 km, ankamen, war ich urlaubsreif … meine innereien rebellierten, meine beine hatten sich im laufe des tages in o-beine verwandelt … alles tat mir weh ….trotzdem, dass uns die alte schüssel heil zurück gebracht hatte, grenzte fast an ein wunder. dass wir dann noch zwei tage einen mächtigen sturm hatten, der das baden unmöglich machte und beim rückflug nach frankfurt die fluglotsen streikten und wir mit mehr als tausend leuten einige stunden im flughafenrestaurant warten mussten, weil die jumbo jets verspätung hatten, war nur noch der würdige abschluss eines komplett verrückten urlaubs. noch heute (fast 40 jahre später) muss ich schmunzeln, wenn ich dran denke. wenigstens war es abenteuerlich! übrigens: wissen sie, wie man reisetabletten in einer spanischen apotheke kauft, ohne dass man spanisch spricht? man stelle sich mitten in die apotheke, breite die arme aus, brumme wie ein flugzeug und deute mit den fingern in richtung mund! glauben sie mir, das funktioniert!

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Badetag

19 Mai, 2008 at 0:32 (Kurzgeschichten) (, , )

Als die Kinder noch klein waren, haben wir unsere Sommertage oft im örtlichen Freibad verbracht. Ich selbst schwimme nur ungern, aber den Kindern machte es riesigen Spaß, wenn sie von der Rutsche ins Wasser glitten, vom Beckenrand oder vom 3-Meter-Brett sprangen. Ein gut gefüllter Picknickkorb gehörte zur Standardausrüstung, genauso wie das Gummikrokodil, die Flossen oder die Taucherbrille. Im Schatten eines Baumes wurde dann die Decke ausgebreitet, von dort hatte ich auch einen guten Überblick, um die Nichtschwimmer nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kinder hatten ihren Spaß und waren glücklich. Manchmal traf ich Freunde oder Bekannte, man kam ins Plaudern. Es konnte aber auch passieren, dass den ganzen Nachmittag kein bekanntes Gesicht auftauchte. In solchen Momenten rauchte ich mehr als sonst. Als mir die Streichhölzer ausgingen, bat ich einen etwas entfernter liegenden Herrn um Feuer. Er schaute mich lächelnd an und sagte, dass er leider Nichtraucher sei. Dann beugte er sich etwas weiter zu mir, um mir sehr freundlich und diskret mitzuteilen, dass mein linker Busen raushängt. An diesem Tag sind wir früher nach Hause gegangen und den feuerroten Kopf hatte ich nicht von der Sonne.

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